10. April 2026: Stadtführung in Waiblingen
Um 14.00 Uhr war Treffpunkt in Waiblingen an der Stihl-Galerie. Hier finden regelmäßig Kunstausstellungen statt. Eva Mayr-Stihl war Stifterin und sehr lange in der Firma Stihl involviert und maßgeblich am Erfolg dieser beteiligt. Sie war Beirätin und Aufsichtsrätin.
Frau Maier, als Stadtführerin, begrüßte uns und hat sich einige Höhepunkte der Stadt für uns ausgewählt. Als erstes liefen wir zum Beinsteiner Tor. Es ist das einzige von den dreien übrig geblieben. Als die Stadt größer wurde und außerhalb der Mauern gebaut wurde, musste man nachts die Tore nicht mehr verschließen und das Fellbacher und Schmidener Tor wurden beseitigt. Von hier aus liefen wir durch einen Teil des noch vorhandenen Wehrgangs. Schön sehen die kleinen Häuschen aus, die direkt von außen an die Stadtmauer gebaut wurden. Teilweise wurden sie mit Steinen der abgerisssenen Tore gebaut. Und man sparte sich die Rückwand mit der Stadtmauer – Steine waren teuer.
Waiblingen wurde 885 das erste Mal urkundlich erwähnt. Es gibt jedoch frühere Funde, so dass man daraus schließen kann, dass es schon frühere Besiedlungen gab. Schenkungen von dem salischen Kaiser Heinrich IV. zeigen, dass Waiblingen mehrere „Herren“ im Lauf der Geschichte hatten. Auch die Württemberger Grafen waren hier. Sie bauten sogar ein Schloss, das wohl zu Übernachtungen und Feste genutzt wurde. Übrig ist nur noch der riesige Schlosskeller. In ihm finden heute verschiedene Veranstaltungen statt.
Das Nonnenkirchle war das nächste Ziel. Sie wurde um 1500 errichtet. Vermutlich eine Grabkapelle, da bei Ausgrabungen eine männliche Leiche gefunden wurde. Über sie ist nicht einmal der Name bekannt. Es gibt eine Ober- und Unterkirche. Unten wurden Gebeine aus aufgelösten Gräbern aufbewahrt – eine so genanntes Gebeinhaus. Vermutlich war das Nonnenkirchle ein Wallfahrtsstätte, die von „Beginen“ betreut wurde. Beginen sind Frauen, die ein klösterliches Leben anstreben, aber nicht in den Zwängen eines Klosters leben wollten. Sie konnten jederzeit die Gemeinschaft wieder verlassen.
Vorletzter Höhepunkt war dann der Hochwachtturm. Von hier aus wurde über die Stadt gewacht. Vor alles nachts. Drohende Unwetter und ganz wichtig beginnen Feuer wurden von hier lautstark mit einem Horn gemeldet. 1634 brannte nämlich die gesamt Altstadt aus. Schuld waren spanische Truppen im 30jährigen Krieg. Es dauert lange, bis die Stadt wieder aufgebaut werden konnte. Viele Bewohner waren ums Leben gekommen und so mussten Besitzrechte erstmal geklärt werden. Es entstand eine Altstadt im barocken Stil. Im Turm ganz oben gibt es ein Trauzimmer. Auf dem oberen Rundgang hat man einen sehr schönen Blick über die Stadt und Umgebung.
Letzte Station war das alte Rathaus, das heute gar nicht mehr genutzt wird. Es steht auf Säulen, denn unter der Überdachung konnten und können Marktleute ihre Waren anbieten. Man war und ist vor Regen, Sonne und Taubenkot geschützt.
Frau Maier wies noch auf den Rundgang mit den Neidköpfen hin. Sie sind an manchen Häusern angebracht. Sie sollen das Böse abwehren. Fratzenhafte Köpfe von Tieren, Menschen und Ungeheuern aus Stein oder Holz, oft an den Dachecken angebracht.
Schließlich durften wir uns im Café erholen und Kaffee und Kuchen genießen.

